St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

10 Jahre Second-Hand-Verkauf

Ein kleiner Geburtstagskuchen mit einer Kerze und der Aufschrift "Happy Bday"

22.08.2006 / Redaktion

Wie Sie aus der Überschrift unschwer ersehen, haben wir in unserer Gemeinde ein Jubiläum. Der Anstoß zu unserem regelmäßigen Verkauf war der Beitrag des Kreativ-Aktiv-Kreises zum Gemeindefest 1996. Dort verkauften wir erstmalig gespendete Bekleidung aus zweiter Hand. Als unterhaltsamer Höhepunkt wurde auch eine Modenschau veranstaltet.

Danach tat sich die Frage auf, wohin mit der übrig gebliebenen Bekleidung? Die ?Entsorgung" im Container kam für uns aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Die Bekleidungsstücke in den vielen Kleiderkammern der unterschiedlichsten Institutionen, welche es in Berlin gibt, abzugeben, war uns zu einfach.

Daher entwickelte es sich anders.
Auch weiterhin wurde getragene Bekleidung gespendet, welche wir regelmäßig auf ihre Brauchbarkeit hin sortierten. Ein kleiner Kellerraum unserer Gemeinde "platzte bald aus allen Nähten". Eine Remise bot sich als nächster Lagerraum an. Tagelang haben wir diese erst einmal entrümpelt, dann fuhr der inzwischen leider verstorbene Paul Seipelt mit einem LKW den Müll zur Stadtreinigung in die Gradestraße. Alte Kupferbleche (Reste von der Instandsetzung der Kirchturmdächer) wurden zu einem Altmetallhändler gefahren. Der Erlös machte es dann möglich, Material für notwendige Reparaturen der Remise-Innenwände, Tapeziertische und Verkaufsständer zu erstehen.

Zu allen Aktivitäten hatten wir auch die Einwilligung unseres damaligen Pfarrers Blessing. Er gab auch sein Einverständnis den Kirchenvorraum zu nutzen. Die nächsten Basare zeigten sehr schnell, wie positiv der Verkauf angenommen wurde. Für unsere Kunden gilt bis heute das Motto "Kaufen gleich Spenden". Sankt Bonifatius ist auch für kirchenferne Mitbürger präsenter geworden. Vielen Interessierten gewähren wir an den Verkaufstagen einen Blick in das Kirchenschiff.

Pfarrer Rößner öffnete den Kirchenvorraum auch außerhalb der Messen und Andachten. Wir freuen uns, dass zu den Andachten die Seitenflügel zum Kirchenschiff geöffnet werden, damit der Zutritt zur Kirche nicht durch den Vorraum erfolgt. Das erspart uns zwischen zwei aufeinander folgenden Verkaufstagen das sehr zeitaufwändige Umräumen der zu verkaufenden Bekleidungsstücke. Außerdem wird uns damit eine unkompliziertere Terminplanung für den Second-Hand-Verkauf möglich.

Schön ist es auch, Orgelklänge im Vorraum zu hören.
Wir möchten keine "Kirche hinter verschlossenen Türen" sein und auch weiterhin unseren Beitrag leisten, dem entgegen zu wirken. Es ergeben sich bei dem Verkauf auch viele aufschlussreiche und interessante Gespräche mit unseren Kunden, welche aus allen Bevölkerungsschichten Kreuzbergs kommen. Unser Konzept, möglichst gut zu verkaufen, um spenden zu können, ist natürlich auch mit viel Arbeit verbunden. Besonders der Auf- und Abbau des Basars wäre ohne die ständige Mitarbeit von Michael Przcwieslik, Wolfgang Kröse und Uwe Scheinemann in dem Umfang nicht mehr denkbar. Viele praktische und attraktive Verschönerungen, Regale, Spiegelständer und Beleuchtung wurden erstellt. Reparaturen an Verkaufstischen und einem Türschloss wurden durchgeführt. Fast regelmäßig sind Bascha Laubsch (aus St. Mathias), Trautchen Harwart, Eva Gabrysch und Karin Kaluschke bereit mit uns zu verkaufen. Wir freuen uns dann alle, wenn der Erlös die Mühe lohnt. Schwierig ist es manchmal für uns zu entscheiden, wohin wir die Einnahmen überweisen wollen. Am liebsten sind uns karitative Projekte, welche wir persönlich kennen lernen können.

So fuhren wir 1997 nach Stobrawa in Polen und erlebten die Not der Bevölkerung, welche von dem Oderhochwasser stark betroffen war. Um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, Wasser für warme Mahlzeiten zu kochen, wurden von unserer Spende Heißwasserkocher gekauft und an die bedürftigsten Familien verteilt. 1999 besichtigten wir das Haus Sonnenblume vor den Toren Berlins. Dort können Frauen in Not ihre Kinder anonym gebären. Im November 2002 haben wir das Haus Schutzengel in Katowice/Kattowitz besucht. Die Mitarbeiter betreuen in mittlerweile zwei Häusern Kinder und Jugendliche in einem Bezirk mit ca. 80%iger Arbeitslosigkeit. Ein Priester wurde von dem Ortsbischof für die religiöse Betreuung freigestellt. Im Jahre 2005 wurde das Projekt Haus Schutzengel vom polnischen Staat ausgezeichnet. Am Eingang einer der Häuser wird auf einer Tafel der Spender unsere Gemeinde St. Bonifatius ausdrücklich erwähnt. In diesem Jahr wurde vom Pfarrgemeinderat das Projekt Haus Schutzengel als unser Gemeindeprojekt bestätigt.

Seit seinem Amtsantritt unterstützt auch Pfarrer Ulrich Kotzur unsere Arbeit. Wir haben nach jeder Überweisung ein Dankesschreiben mit Informationen über die Verwendungen dieser Spenden erhalten. Auch in unserer unmittelbaren Umgebung leben Menschen in Armut, doch ist die soziale Sicherheit in Berlin eine andere als in unseren östlichen Nachbarländern. ln zehn Jahren Secondhand-Verkauf in unserer Gemeinde konnten wir fast 23.000 € an die unterschiedlichsten Projekte spenden.

Unsere Spendenempfänger:

  • Obdachlosenübernachtung für Frauen in St Jacobi in Kreuzberg,
  • Metrokinder in Moskau
  • Brasilienprojekt Obrigado
  • Hochwasserhilfe in Stobrawa/Polen
  • Kommunionkinder-Vorbereitung in St. Bonifatius
  • South-African-Club (Straßenkinder)
  • Kinderhaus Sonnenblume
  • Für karitative Gemeindearbeit in St. Bonifatius
  • Suppenküche St. Marien in Spandau
  • Firmarbeit in St. Bonifatius
  • Bobbycars für die Kita Stresemannstraße
  • Projekt Papua-Neuguinea
  • ein Wasserkocher für St. Bonifatius
  • Notübernachtung in St. Marien (Liebfrauen) und St. Michael
  • Reisekostenzuschuss für unsere Pfadfinder zum World-Chamboree in Chile
  • Ministrantenarbeit in St. Bonifatius
  • Fahrgeld für akut an Krebs erkrankte junge Frau zur Fahrt aus Polen zur Behandlung nach Hannover
  • Gemeinde-Projekt "Haus Schutzengel" für Straßenkinder in Katowice/Kattowitz

Bedanken möchten wir uns ganz herzlich bei allen, die uns bisher geholfen haben und hoffentlich auch zukünftig mitmachen werden! Übrigens, wir freuen uns auch über weitere helfende Hände, Füße und Köpfe!

Für das Secondhand-Team:

  • Stephanie Burkhardt
  • Christa Scheinemann
  • Christina Seipelt