St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins
Gemeinde-Standort der Pfarrei Bernhard Lichtenberg Berlin-Mitte

Erntedank – Dank für die Schöpfung und Dank für die Erlösung

28.08.2013 / Redaktion

Birnen und Äpfel, Karotten und Kürbisse, Nüsse und frisch gebackenes Brot – einmal im Jahr finden die reichen Gaben der Natur ihren Weg in unsere Kirchen. Der Altar ist dann mit prächtigen, farbenfrohen Arrangements geschmückt. Wir feiern am Sonntag, den 22. September bei uns das Erntedankfest mit einer Familienmesse um 10.30 Uhr in St. Bonifatius.

Diesen Termin Ende September / Anfang Oktober hat 1972 die Deutsche Bischofskonferenz festgelegt. Daraus folgt für die einzelnen Gemeinden aber keine Pflicht, das Fest zu feiern – es ist freiwillig. An Erntedank wollen die Christen Gott für die Schöpfung danken und zeigen, dass sie sich ihrer Abhängigkeit von der Natur bewusst sind. Streng genommen geht der christliche Brauch schon auf die ersten Figuren der Bibel zurück: Wie das Buch Genesis berichtet, brachte der Ackerbauer Kain einige Früchte seiner Felder und der Hirte Abel einen Erstling seiner Herde zum Opfer dar.

Die ersten Erntedankfeste in der katholischen Kirche sind aus dem dritten Jahrhundert nach Christus überliefert. Aber auch aus vorchristlichen Religionen sind solche Feste bekannt. Sie waren Teil des Jahresablaufes bei Griechen und Römern, und auch das Judentum kannte zwei Erntefeste, eines um die Pfingstzeit und eines im Herbst.

Die Bedeutung von Erntedank änderte sich über die Jahrhunderte: Mit der industriellen Massenherstellung von Lebensmitteln und dem weltweiten Handel wurde das Bewusstsein für die Abhängigkeit von der heimischen Ernte geringer - womit auch ein Bedeutungsverlust des Festes einherging. Mit dem in der ganzen Gesellschaft gestiegenen Umweltbewusstsein der vergangenen Jahrzehnte schließlich bekamen die Worte von der „Bewahrung der Schöpfung“ eine neue Bedeutung: Mittlerweile stellen viele Gemeinden an Erntedank den Umweltschutz oder die Entwicklungshilfe in den Vordergrund. An dem Tag wird auch an die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft appelliert. Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti stellt in seinem „Lexikon der Bräuche und Feste“ fest, die ökonomische Betrachtungsweise der Welt werde immer mehr durch eine ökologische ergänzt: „Das Erntedankfest ist ein Gradmesser für dieses gesellschaftliche Bewusstsein“, heißt es da.

Es gibt aber auch andere Anlässe, die dem Grundgedanken des Dankes für die Gaben der Schöpfung folgen: Dazu gehört etwa auch der Gedenktag an den heiligen Martin am 11. November. Für uns Katholiken ist im Grunde jede Eucharistiefeier ein Erntedankfest. Wir danken für die Gaben von Brot und Wein, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Beides bringen wir vor Gott und bitten, diese Gaben zu verwandeln, damit sie uns nicht nur unser irdisches Leben erhalten, sondern uns auch das ewige Leben schenken, durch Christus selbst.

Ich wünsche uns allen ein neues Bewusstsein dieser beiden Aspekte. Die der Bewahrung der Schöpfung und der Ewigkeit, die uns Gott schenken will.

Es grüßt Ihr Pfr. Cornelius