St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Wo Glauben Raum gewinnt: Arbeitsgruppen im Pastoralen Raum

© Love the wind/stock.adobe.com

22.08.2019 / Redaktion

Viel ehrenamtliches Engagement findet seit einiger Zeit in den Arbeitsgruppen statt, die eingerichtet wurden, um den Prozess „Wo Glaube Raum gewinnt“ im pastoralen Raum Berlin-Mitte mit Leben zu füllen. Mehr oder weniger regelmäßig treffen sich in fünf Gruppen engagierte hauptamtliche und ehrenamtliche Mitglieder, um die vier Gemeinden und die vielen Orte kirchlichen Lebens auf dem Gebiet des Pastoralen Raums Berlin Mitte zusammenzuführen. Wir haben einige Sprecher von vier Gruppen zu deren Arbeit befragen können. Für die AG Diakonia waren Tina Heller und Bernhard Kreß unsere Interviewpartner. Die AG Liturgia vertrat Michaela Lapawczyk. Zur AG Martyria sprachen wir mit Claudia Laurien-Kehnen. Außerdem sprachen wir mit Oliver Wüstling und Peter Mergethal über die AG Finanzen. Ein Interview mit Vertretern aus der AG Gemeinschaft wird noch durchgeführt werden, dazu dann in einer späteren Ausgabe. Die Gespräche führten Claudia Guske, Elisabeth Mitter, Ulrich Casser und Günter John.

Zum Stand des Prozesses

„Wir sind in unserer Arbeit schon sehr weit. Wir haben uns sehr häufig getroffen. Wir haben fast alle Orte kirchlichen Lebens in unserem pastoralen Raum besucht.“ beschreibt Tina Heller den Stand der Arbeit in der AG Diakonia und wird von Bernhard Kreß ergänzt: „Die Zusammensetzung war sehr vielfältig und umfangreich. Ich sehe den Prozess ‚Wo Glauben Raum gewinnt‘ als zusammenfassende Maßnahme.“
Dabei mussten in der AG Liturgia anfängliche Schwierigkeiten überwunden werden, so sagte uns Michaela Lapawczyk: „Wir taten uns schwer eine gemeinsame Gruppe zu werden, die dieselben Ziele verfolgt. Es war nicht so einfach. Wir wussten nicht weiter. Die erste Phase war das Kennenlernen. Dann fehlte uns der Auftrag. Pfarrer Cornelius gab uns eine Aufgabe. Wir sollten uns ein Ziel setzen. Unser Ziel ist es, dass an jedem Wochenende in jeder Gemeinde eine Eucharistie gefeiert wird. Das war uns ganz wichtig. Mittlerweile haben wir uns zusammengerauft.“

„Dabei wird uns“ so wird aus der AG Martyria von Claudia Laurien-Kehnen zu den Inhalten der Beratungen erläutert „immer wieder deutlich, dass der Prozess weit mehr als ein rein struktureller Prozess sein muss, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Wir kehren immer wieder zu den Fragen zurück: Wie wollen wir heute Kirche sein? Wie können wir die Botschaft Jesu in der Mitte Berlins deutlicher sichtbar und erfahrbar machen?“
Dementgegen ist die Arbeit in der AG Finanzen besser greifbar. Dies bringt folgendes Zitat von Oliver Wüstling zum Ausdruck: „Der Kenntnisstand der Mitglieder der AG ist schon sehr umfangreich. Wir haben uns jede einzelne Liegenschaft vor Ort angeschaut. Dazu haben wir uns an Wochenenden getroffen und dann Touren gemacht von ca. vier bis sechs Stunden jeweils. Dazu sind wir mit dem Bulli durch den Pastoralen Raum gefahren. Ergänzend dazu haben wir uns an zwei Terminen getroffen, um die Friedhöfe zu besichtigen, die außerhalb des Pfarrgebietes liegen.“
Peter Mergenthal, seit Dezember 2018 Verwaltungsleiter des Pastoralen Raums Berlin-Mitte, schließt sich Herrn Wüstlings Einschätzung an: „Mein Eindruck ist, dass es innerhalb des Raums einen guten Überblick darüber gibt, welchen finanziellen Bedarf es gibt und welche Ressourcen vorhanden sind. Da ist schon eine gute Verzahnung erreicht.“

Chancen und Schwierigkeiten im Prozess

Die Chancen des pastoralen Raums werden in drei der befragten Arbeitsgruppen in der gewachsenen Zusammenarbeit wahrgenommen.

Peter Mergenthal sagt dazu, „dass die Zusammenarbeit auf dem Finanziellen dem Pastoralen mehr Spielraum gibt, auch neue Wege zu gehen. Wir werden an einigen Standorten Konzepte umsetzen, die die bisherigen Gemeinden allein so nicht durchführen könnten.“
Aus der Perspektive der Diakonie formuliert Bernhard Kreß: „Da sind schon Brücken entstanden zwischen der Pfarreiarbeit, den Caritativen Einrichtungen und den Orten kirchlichen Lebens. Diese Kooperation gilt es nun auszufüllen…“.
„Der Mehrwert“, so ergänzt Tina Heller in diesem Zusammenhang, „entsteht tatsächlich erst durch die Vernetzung zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, sowohl in den Orten kirchlichen Lebens als auch in den Gemeinden. Durch die Ergänzung entstehen Synergieeffekte, die wir nutzen können.“
In Bezug auf das Thema Verkündigung bringt es Claudia Laurien-Kehnen mit ähnlichen Worten zum Ausdruck: „Hier ist gemeinsames Handeln sicherlich ein großer Mehrwert, zusammen über neue Ideen nachzudenken und mutig zu sein, auch einmal ungewöhnliche Wege auszuprobieren.“
Aus Sicht des Themas Liturgie werden hingegen die Chancen laut Michaela Lapawczyk zurückhaltender wahrgenommen: „Bei Liturgie gibt es nicht wirklich etwas Neues. Jede Gemeinde hat Ministranten und Gottesdienste. Wir haben es mehr zur Kenntnis genommen, was jede Gemeinde macht und was es gibt.“ Hier gab es eher Schwierigkeiten in dem Sinne, dass „der Leitfaden fehlte“ für die Bearbeitung des Themas.
Aber auch in den anderen Gruppen galt es Schwierigkeiten zu überwinden, dazu Claudia Laurien-Kehnen: „Dazu gehört auch, die Mitglieder der beteiligten Pfarreien abzuholen, aktiver einzubinden und vorhandene Unsicherheiten, den Prozess betreffend, wahrzunehmen.“
Oliver Wüstling sieht keine Hindernisse durch Besitzansprüche einzelner Gemeinden. „Das hat es in unserm Raum nie gegeben. Von der ersten Sitzung an war es ein offenes Miteinander, das auch noch gewachsen ist.“
Dagegen werden in der AG Diakonia nach Bernhard Kreß große Herausforderungen in der grundsätzlichen Schwierigkeit gesehen, „dass wir zwei verschiedene Systeme zusammenbringen müssen. In der Caritas haben wir alles, was es an diakonischer Arbeit gibt. Aber es sind Angestellte. Die sind z. B. an Wochenenden nicht zu haben, es sei denn, sie engagieren sich über ihre Arbeitszeit hinaus ehrenamtlich. Dass es lohnend sein könnte, zusammenzuarbeiten, muss erst entdeckt werden. Bisher gibt es noch kein konkretes Projekt, aber es gibt Ideen.“

Erlebnisse in der Arbeit und Schritte im Prozess

Aussagen der Sprecher der unterschiedlichen Arbeitsgebiete zu besonderen Erlebnissen und gemeinsamen ersten Schritten geben schöne Einblicke, wohin uns der Pastorale Raum führen kann.

Oliver Wüstling aus der AG Finanzen: „Überraschend war die Vielzahl an Liegenschaften, die existieren. St. Adalbert, Torstraße war so ein Moment. Das ist ein riesen Gebäudekomplex, der dahinter hängt. Sehr informativ und teils unerwartet, was da zum Vorschein kam.“
Bernhard Kreß, AG Diakonia: „Wir waren z. B. in Evas Arche im Jugendzentrum, in der Charité, haben dort Führungen bekommen, haben gesehen, wer da arbeitet, die Räumlichkeiten. Das ist etwas anderes als Papiere zu blättern. Da passiert schon was.“
Michaela Lapawczyk für die AG Liturgia: „Ein schönes Ergebnis ist es, dass sich alle aus der Liturgie AG entschieden haben, die Wallfahrt mit vorzubereiten. Was ein großes Unterfangen ist.“
Claudia Laurien-Kehnen, AG Martyria: „So wurde bereits 2017 der „Lebendigen Adventskalender“ organisiert. Als Einladung an alle Gemeinden und Orte Kirchlichen Lebens in unserem Raum, ihre Türen in der Adventszeit zu öffnen und sich vorzustellen … Eine wunderbare Entwicklung ist der Online-Kalender sowie die Online-Karte … Es erstaunt, wie viele Angebote und katholische Einrichtungen in unserem Raum liegen. Etwas, worüber es auf jeden Fall zu reden lohnt! … Aber auch die Zusammenarbeit der Redaktionen der Gemeindebriefe wurde initiiert … Der regelmäßige Austausch in den AGs, die Beschäftigung mit dem Pastoralkonzept, das Sprechen über den Glauben, von den Problemen der anderen zu erfahren, sind bereits wertvolle Schritte auf dem Weg.“

Erwartungen und Visionen für den Pastoralen Raum Entsprechend haben wir die Gespräche mit der Frage nach den Erwartungen und Visionen für den Pastoralen Raum abgeschlossen und erhielten die folgenden Amtworten.

„Wir müssen Brücken bauen zu den einzelnen Gemeinden … Gemeinde muss vor Ort gestärkt werden … Die Fronleichnamsprozession gemeinsam organisieren. Das sich die Gottesdienstbeauftragten kennenlernen und zusammen weiterbilden. Oder kirchenmusikalisch einen Raum-Chor organisieren.“ Michaela Lapawczyk, AG Liturgia.
„Visionen kann man nur gemeinsam entwickeln. Wenn ich kapiert habe, dass Alte, Kranke, Behinderte, Obdachlose ganz selbstverständlich auch ein Teil der Gemeinde sind, dann erwächst eine Aufgabe nicht nur für sie, sondern mit ihnen. So können wir uns gegenseitig unterstützen und füreinander eintreten … Es reicht nicht, alles an die Profis abzugeben, wir müssen viele Dinge auch selbst machen. Das müssen wir hinbekommen… Es braucht einen Ansprechpartner zwischen Ehrenamt in den Gemeinden und den Orten kirchlichen Lebens und den Organisationen. Ein Ehrenamtskoordinator, der die Koordination professionell in die Hand nimmt, wäre für alle gut.“
Tina Heller, AG Diakonia. 
„Das Leben mit den Armen, Kranken und Bedürftigen ist keine Serviceleistung, sondern gehört wesentlich zum Auftrag einer christlichen Gemeinde. Ich kann Christus erleben in der Liturgie, im Gottesdienst und den Sakramenten, aber im Nächsten auch. Wenn das nicht geschieht, fehlt was. Was nützt es, wenn wir supertolle Gottesdienste feiern und nebenbei unsere Armen vergessen? Darum geht es und gilt es auch noch mehr zu entdecken.“ Bernhard Kreß, AG Diakonia.
„Ich würde mir wünschen, dass sich diese Vielfalt später in der neuen Pfarrei widerspiegelt und wahrgenommen wird … Ich erhoffe mir, dass wir alle mit guten Ideen, mutig und gemeinsam an der neuen Pfarrei mitwirken.“ Claudia Laurien-Kehnen, AG Martyria.
„Meine Erwartung ist, dass das jetzt schon gemeinsame Verständnis erhalten bleibt und sich nicht im weiteren Verlauf zurückentwickelt … Es gibt viele Mietwohnungen und man muss sich klar sein, dass die Entwicklung in Berlin ein großes Thema ist, dass die Ermöglichung von moderaten Mietpreisen an bestimmten Stellen ermöglicht wird.“ Oliver Wüstling, AG Finanzen.
„Ich sehe meine Aufgabe hauptsächlich in der Entlastung der Pfarrer und der Ehrenamtlichen. Der wesentliche Vorteil des Pastoralen Raums ist aus meiner Sicht, durch die Bündelung von Ressourcen gemeinsam Ziele erreichen zu können, welche für die einzelne Gemeinde eine zu große Aufgabe wären.“ Peter Mergenthal, AG Finanzen.