St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Thomaschristen Indiens

28.09.2013 / Redaktion

Der Hl. Franz Xaver (1506 bis 1552 – sein Grab ist in Goa) fand, als er als jesuitischer Missionar nach Indien kam, zu seiner Überraschung Christen vor, die ihre Gründung auf den Apostel Thomas zurückführten.

Heute haben sich voneinander unabhängige indische Kirchen entwickelt. Und – wie könnte es bei einem so großen Land wie Indien anders sein – die Kirchengeschichte dort ist außerordentlich kompliziert.

Es gibt folgende Kirchen, die sich auf die Thomaschristen zurückführen:

  1. Malankara Orthodox-Syrische Kirche
  2. Syro-Malabarische Kirche
  3. Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche
  4. Chaldäisch-Syrische Kirche des Ostens
  5. Evangelische St.-Thomas-Kirche von Indien
  6. Mar-Thoma-Kirche
  7. Unabhängige Syrische Kirche von Malabar
  8. Syro-Malankara Katholische Kirche

Davon interessieren besonders die ersten drei Kirchen, schon wegen ihrer Mitgliederstärke. Es würde zu weit führen die Kirchengeschichte und jetzige Organisation all der oben genannten Kirchen auszuführen. Es gibt noch andere christliche Kirchen, die sich aber nicht auf die Thomaschristen berufen.

  1. Die Malankara Orthodox-Syrische Kirche – die eine ununterbrochene Apostolische Sukzession zum Apostel Thomas anführt. Ihr Leiter ist zur Zeit der Katholikos Baelios Marthoma Paulose II. Sie wird auch als Indische Orthodoxe Kirche bezeichnet. Sie hat ca. 2,5 Millionen Glieder und benützt den ostsyrischen Ritus in einem aramäischen Dialekt.

  2. Während der Kolonialzeit gab es Bestrebungen die genannte Kirche (von Seiten der in Goa herrschenden Portugiesen) an die Römisch-Katholische Kirche anzubinden. Daraus entstand dann die mit Rom unierte Syro-Malabarische Kirche mit fast 4 Millionen Gliedern und sie ist zumeist im indischen Bundesstaat Kerala beheimatet. Historisch gesehen ist sie ein Zweig der mit Rom unierten Chaldäisch-Katholischen Kirche mit ostsyrischem Ritus.
    Durch den als zu stark empfundenen Druck aus Rom, sich zu latinisieren, spaltete sich diese Kirche vorübergehend wieder ab. Papst Paul VI. regte aber an, dass die alten – im indischen Kulturraum – beheimateten Riten fortgeführt werden könnten. Es kam deshalb wieder zur Einheit mit Rom. Kirchenoberhaupt ist zur Zeit der Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly, George Kardinal Alencherry. Es gibt etliche Diözesen in Indien, aber auch in Nordamerika. Sie ist nach der Ukrainisch-Katholischen Kirche die zweitstärkste (und aktivste) der 21 mit Rom unierten Kirchen. Es gibt in Deutschland Niederlassungen in Köln, Frankfurt am Main und Heidelberg.

  3. Die Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche hat etwa 3,5 Millionen Mitglieder. Ihr Leiter ist Mor Baselios Thomas I. in Puthencruz bei Kochi in Kerala. Sie ist mit der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien (sie ist die Mutterkirche) verbunden und benützt den westsyrischen Ritus in einem aramäischen Dialekt. Dank des gemeinsamen guten Willens der Kirchenführer dieser Kirche und den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. sind die Beziehungen zwischen der Kirche und der Römisch-Katholischen Kirche als sehr gut zu bezeichnen.

Gerhard Schmidt-Grillmeier