St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Ehrenamt im Pastoralen Raum - Küster

06.09.2018 / Redaktion

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich haupt- oder ehrenamtlich in unserem zusammenwachsenden Pastoralen Raum betätigen. Im Sommer 2018 haben wir einige der vielen ehrenamtlichen Küster und Küsterinnen kennen gelernt, die in unseren Kirchen den Küsterdienst tun.
Wir danken Angelika Wnuk aus St. Bonifatius, Mechthild Boisserée aus St. Michael (Berlin-Kreuzberg) und dem Ehepaar Knebel aus St. Marien (Liebfrauen) für die Gespräche.

Frau Wnuk, seit wann sind Sie Küsterin?

Wnuk: Vor zehn Jahren hat mich Pfr. Kotzur angesprochen, ob ich nicht in den Küsterdienst einsteigen möchte. Ich war einige Zeit vorher in die Nähe von St. Bonifatius gezogen. Dank des Küsterdienstes war es für mich viel leichter, hier heimisch zu werden. Inzwischen bin ich seit drei Jahren zusätzlich Gottesdienstbeauftragte. Pro Monat übernehme ich zwei Dienste.

Was macht man als Küster/-in so?

Wnuk: Wenn ich Küsterdienst habe, bin ich eine Stunde eher da, dann ist es ganz entspannt. Ich schließe die Kirche auf, zünde die Kerzen an, und bereite alles für die Messe vor. Das Waschen der Altarwäsche gehört nicht zu meinen Aufgaben, das übernimmt jemand anderes. Wir sind ein 7-köpfiges Team in St. Bonifatius. Der Dienst macht mir viel Freude, nur im Winter ist es ziemlich kalt. Nebenbei bin ich für die Leute da, die schon eher zum Beten in die Kirche kommen, das empfinde ich als sehr wichtig. Ab und zu lädt der Pfarrer alle Küster zum gemeinsamen Essen und Austausch ein. Eine besondere Herausforderung stellt der Küsterdienst bei den Festen dar.

Was motiviert Sie zum Küsterdienst?

Wnuk: Mir gefällt es, hinter die Kulissen schauen zu können und die Hintergründe der Liturgie kennen zu lernen. Ich finde das Ehrenamt an sich einen sehr wichtigen Dienst für den Herrn, mit dem auch wir Laien dazu beitragen, dass der Gottesdienst stattfinden kann, dass der Funke überspringt, dass Menschen mit Gott in Berührung kommen.

Frau Boisserée, seit wann sind Sie dabei?

Boisserée: Ebenfalls seit gut zehn Jahren. Vorher gab es bei uns in St. Michael (Kreuzberg) noch einen hauptamtlichen Küster. Anschließend gab es ein Team aus acht ehrenamtlichen Küstern, die meist zugleich auch Gottesdienstbeauftragte waren, so auch ich. Inzwischen sind wir nur noch fünf. Wir könnten gut noch zwei mehr gebrauchen.

Warum machen Sie diesen ehrenamtlichen Dienst?

Boisserée: Ich mache den Küsterdienst sehr gern. Es ist ein bescheidener, aber anspruchsvoller Dienst. Er findet im Verborgenen statt. Das Küstern hat für mich beinahe etwas Intimes, da man dabei mit den heiligen Gegenständen in Berührung kommt. Dadurch schrecken aber auch viele vor diesem Dienst zurück, vermute ich, sodass es schwer ist, neue ehrenamtliche Küster zu gewinnen. Eine besonders wichtige Aufgabe des Küsterdienstes besteht im Begrüßen und Willkommenheißen: sowohl die Leute, die eher zur Messe kommen als auch die Ministranten. Besondere Verantwortung, dass alles gut läuft, haben wir dann, wenn ein Gastpriester kommt.

Was erwarten Sie vom Pastoralen Raum?

Boisserée: Ich könnte mir gut vorstellen, dass es in der Zukunft Küstertreffs mit allen Küstern des Raumes geben wird – zum Austausch, aber auch, um manche Dinge einfacher zu gestalten (Bestellung der Kerzen, Hostien, des Weines). Eine gegenseitige Unterstützung der Küster untereinander, dass man mal einen Dienst in einer anderen Kirche des Raumes übernimmt, halte ich aber für unrealistisch, da es in jeder Kirche anders läuft. Das würde schon allein am jeweils anderen Schlüsselsystem scheitern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Boisserée: Ich wünsche mir für St. Michael mehr Unterstützung durch Hauptamtliche im seelsorglichen Bereich. Wir haben nur einen Pfarrer für St. Michael und St. Marien (Liebfrauen). Es wären bei uns dringend Leute für die Seelsorge nötig.

Frau und Herr Knebel,
Sie küstern gemeinsam. Wissen Sie noch, seit wann?

Herr Knebel: Wir küstern schon sehr lange in St. Marien / Liebfrauen, seit ca. 2006. Wir teilen uns die Aufgaben. Trotzdem ist meine Frau immer noch aufgeregt, wenn wir mit dem Küstern dran sind.

Was hat sie so lange zum Küsterdienst motiviert?

Frau Knebel: Ich empfinde große Verantwortung gegenüber meiner Kirche. Ich möchte den Pfarrer gern unterstützen. Es war für mich ganz selbstverständlich, dass wir diesen Dienst übernehmen, als wir gefragt wurden. Wenn wir gebraucht werden, sind wir da. Ich kann nicht anders, ich tue das für Gott, für meinen Glauben.

Was erwarten Sie vom Pastoralen Raum?

Knebel: Der Pfarrer sollte mehr Zeit für die Seelsorge haben und die ganzen administrativen Aufgaben delegieren können. Außerdem gibt es bei uns in St. Marien / Liebfrauen kaum Ministranten. Wir würden uns sehr freuen, wenn ab und zu ein paar Ministranten aus St. Bonifatius oder Herz Jesu zu uns kommen könnten.

Welche Wünsche haben Sie?

Knebel: Wir wünschen uns eine volle Kirche. Außerdem würden wir uns wünschen, dass sich bei uns ein Begrüßungs- und Verabschiedungsdienst vor und nach der Messe etabliert. Das müssen keine Hauptamtlichen sein, die das übernehmen, das könnten auch z.B. PGR-Mitglieder übernehmen. Die persönliche Ansprache halten wir für sehr wichtig, um neuen Gottesdienstbesuchern die Kontaktaufnahme zu erleichtern.

Interviews und Fotos: Marlen Bunzel