St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Interview zur Fusion

26.10.2006 / Redaktion

Es geschah an einem lauen Sommerabend: das Team der laufenden Interviewserie erklomm die 4. Etage des frisch renovierten Hauses in der Lilienthalstraße, dieser bemerkenswerten Straße, die an Prominenz nicht nur linkspolitische und klerikale Persönlichkeiten, sondern eben auch diese beiden allseits bekannten Gemeindemmitglieder aufweisen kann. Unsere freundlichen Gastgeber - beide inzwischen über 70 Jahre - ließen uns auf dem geräumigen Balkon Platz nehmen. Was für eine Aussicht! Zwischen Grün und Grün zeigte sich die Nuntiatur mit ihren bunten Kapellfenstern und etwas weiter rechts die Türme der St.-Johannes-Basilika.

“Alles Wesentliche unter Kontrolle” sozusagen und das ist ja auch angesagt für den “Papst von Kreuzberg”, wie Klaus Kühndel mancherorts genannt wird.

Klaus Kühndel wohnt hier schon seit vielen Jahrzehnten und arbeitete ebenso lange als Küster: von 1964 bis 1994, 30 Jahre also. Seit seinem Schlaganfall ist der Küsterdienst, den er auch in fast allen Gemeinden der Umgebung immer wieder und auch als Rentner immer wieder gerne und zuverlässig versehen, hat nicht mehr möglich. Sein letztes verbliebenes Amt ist das eines Kirchenvorstand-Mitgliedes.

Ihm zur Seite Ursel Ehlert, ein ebenso unverwechselbares Musterexemplar von treuem und aktivem Gemeindemitglied, hineingeboren fast, hatte doch ihr Vater vor Klaus Kühndel lange Zeit den Küsterdienst in der JOBA inne. Ursel hatte und hat Paramente, Blumen und Schlüssel immer noch gut im Griff und ist zudem aktives PGR-Mitglied.

Um nun aber endlich zur Sache zu kommen beginnen wir erst mal mit Ursel:

Auf die Frage, ob sich in dem unmittelbaren Umfeld ihrer Kirchengemeinde etwas verändert habe, erwähnt sie die frühe Zeit der Sonntagsmesse, was sie aber nicht störe, kann sie sich doch aus vergangenen Zeiten an Gottesdienste erinnern, die bereits um sieben Uhr morgens angesetzt waren. Auch K. Kühndel sieht dies durchaus als Vorteil.

Neu und bereichernd ist für Ursel Ehlert der regelmäßige Besuch des Seniorenkreises in St. Bonifatius, wo man sich auch mit Senioren aus St. Agnes trifft und den Abholservice genießen kann. Insgesamt seien ihr Veränderungen durch die Fusion nicht negativ aufgefallen.

Für Klaus Kühndel ist seit der Fusion der Weg zu den Kirchenvorstandssitzungen beschwerlicher geworden, da diese nun schwerpunktmäßig in St. Bonifatius und nicht mehr in der St.-Johannes-Basilika stattfinden.

Vermissen tun beide nichts seit der Fusion, jedoch ist Ursel Ehlert skeptisch, ob der Pfarrer die Seelsorge bei der Größe der angewachsenen Gemeinde noch bewältigen kann.

Spirituell habe sich bei beiden nichts mehr verändert, Klaus Kühndel merkte jedoch an, dass die Predigten seit der Fusion kürzer geworden sind. Außerdem seien sie wegen der Lautsprecheranlage in der St.-Johannes-Basilika oft für die beiden akustisch schwer verständlich.

Alles in allem zeigen sich unsere Gastgeber von den Folgen der Fusion reichlich unerschüttert. In ihrem langen Dienst an der Gemeinde haben sie so viele Veränderungen verordnet bekommen und auch bewältigt, dass diese Fusion verständlicherweise gar nicht mehr sonderlich aufregend ist für die beiden.

Es ist dunkel geworden und der Mond hat seinen kurzen Bogen zwischen Turm und Hausfassade längst überwunden, als wir den beiden eine gute Nacht wünschenund wieder hinuntersteigen auf die immer noch belebte und allseits beliebte Lilienthalstraße, die uns hoffentlich noch oft zusammenführt in unsere geliebte St.-Johannes-Basilika.

Elfie Anneser und Andreas Willer