St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Weihnachtsstern befestigt am Weihnachtsbaum

Vom Säen, vom Ernten und den Früchten

Weinreben an einem Weinstock

26.10.2011 / Redaktion

Vor einem Monat haben wir beim Erntedankfest Gott für die Früchte der Erde gedankt und Anfang November begehen wir eine doppelte Ernte, die der Menschen. Die Schrift vergleicht gern das menschliche Leben mit dem Wachsen der Pflanzen und insbesondere Israels mit dem Weinstock (Isaias 5,1-7; 27,2; Psalm 80,9-20; 92,13-16; Joh. 15,1-17; etc.). Daran kann man merken, dass jede Ernte einen Zweck beinhaltet: man pflückt,was wild wächst, aber man erntet, was man gesät oder gepflanzt hat. Was wild wächst, wächst ohne andere Bestimmung, als sich selbst fortzupflanzen und nachher zu verwelken – „Nur damit du sie vernichtest“.

Im Gegenteil: was gezüchtet wird, weist auf Intention und Absicht des Erzeugers wie des Verbrauchers hin. Denn Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild ohne Sinn nicht geschaffen, sondern damit er Sein Leben teilen wird, in Jesus Christus. Wie Irenäus von Lyon vor dem Jahr 200 schon schrieb: „Die Menschen werden Gott sehen, damit sie leben, durch die Schau unsterblich werden und zu Gott gelangen … Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch; das Leben des Menschen die Gottesschau“. Der Sinn des menschlichen Wesens ist ja eschatologisch: „Bringt Frucht des Heiligen Geistes“ in die ewigen Scheunen.

Heutzutage, muss ein Bauer bis zu zwanzigmal auf sein Feld kommen, um alles zu beseitigen, was dem Wachstum schädlich wäre, Unkraut, Ungeziefer, Krankheiten, um zu düngen usw. Gott handelt in derselben Weise, aber nicht ohne unsere persönliche Zustimmung, weil er uns so frei geschaffen, wie er ist. Deshalb begleitet er unser Tun mit seiner Gnade, damit wir alle Unmenschlichkeit in uns bekämpfen und ausjäten, damit wir, auf Jesus eingepfropft, Frucht mitbringen und unsere Frucht bleibt (Joh 15,1-8).

„Der Sämann kam hinaus um zu säen“ und als die Zeit richtig war, bemerkte er: „Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben“ (Joh 4,35). Die Ernte Gottes bringt ihm mehr als das hundertfache ein. Zeugnis dafür ist die unermessliche Zahl der Heiligen, die Erstlinge der gesamten Ernte der reif gewordenen Menschheit. Deshalb erfreuen wir uns an zwei hintereinander kommenden Tagen über diese Auslese (1. und 2. November).

„Jeder wird nach seinen Taten gerichtet“, jene Taten, die unsere Gottesähnlichkeit beweisen: Werke der Barmherzigkeit, der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Gottesfurcht. Deshalb endet der Psalm 90 mit den Worten: „Lass gedeihen die Frucht unserer Hände!“.

„Keiner lebt für sich selbst, keiner stirbt für sich selbst; ob wir leben oder sterben, leben wir und sterben wir dem Herrn“: „Jesus, dir leb ich; Jesus, dir sterb ich; Jesus, dein bin ich tot und lebendig“ (Gotteslob 6,1 + 853), wie alle Heiligen, die wir im November feiern werden, es erlebt haben: besonders Rupert Mayer (am 3.), Karl Borromäus (4.), Bernhard Lichtenberg (5.), Martin (11.), Elisabeth von Thüringen (19.), Cäcilia (22.), Klemens und Felizitas (23.), Andreas (30.) und alle Märtyrer unseres Bistums (8.).

Deshalb lasst uns mit ihnen beten:

Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es wieder ganz und gar zurück und überlasse alles dir, dass du es lenkst nach deinem Willen. Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade. Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter.
Amen

Pfarrer Eric Godet