St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Pfarreigründung Bernhard Lichtenberg Berlin-Mitte

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Dr. Karl Forsters Wirken in Kreuzberg

30.10.2013 / Redaktion

Viele der älteren Menschen in Berlin – und auch darüber hinaus – kennen noch den Leiter des Chores der St.-Hedwigs-Kathedrale. Karl Forster wurde am 1.8.1904 in der Oberpfalz, in dem Dorf Großklenau, das zur Kreisstadt Tirschenreuth gehört, geboren.
In einer schwierigen Zeit – der der Nationalsozialistischen Diktatur – wurde er am 16.1.1934 zum Leiter des Chores vom damaligen Bischof Nikolaus Bares von Regensburg nach Berlin berufen.
Im Jahr vorher war das Reichskonkordat unterzeichnet worden, was Gutgläubigen die Hoffnung gab, dass man mit dem im Grunde genommen atheistischen Regime irgendwie auskommen könne. Jedenfalls wurden die bereits in Angriff genommenen staatlichen Maßnahmen zur „Gleichschaltung des deutschen Verbandskatholizismus“ vorübergehend eingestellt. Bei der Mordaktion vom 30.6.1934 – als auch der Leiter der Katholischen Aktion in Berlin, Ministerialdirektor Dr. Erich Klausener ermordet wurde – war klar, wohin das Regime steuerte.

Dr. Karl Forster baute zuerst den Knabenchor der St.-Hedwigs-Kathedrale und daneben den gemischten Laienchor – trotz der Behinderungen durch staatliche Stellen – weiter aus. Unter Bruch des Konkordats waren bereits 1937 katholische Jugendverbände verboten worden. Eine getarnte Fortführung, z.B. in einem Jugendchor, war äußerst gefährlich. Das führte zur Enzyklika „Mit brennender Sorge“. 1937 wurde auch das „Katholische Kirchenblatt für das Bistum Berlin“ verboten. In dieser schweren Zeit bereits hatte Karl Forster den Hedwigschor zum führenden Kirchenchor Deutschlands ausgebaut. Wegen des Krieges fehlten besonders die Männerstimmen und 1942 war der Knabenchor als „Jugendtarnorganisation“ verboten worden.
Die Kreuzberger Zeit des Chores begann dann nach der Bombardierung vom 2.3.1943, als die St.-Hedwigs-Kathedrale zerstört worden war. Deren Unterkirche war damals öffentlicher Luftschutzraum. Forster wohnte bis dahin in der Behrenstr. 66 und dann in einem Zimmer im St.-Hedwigs-Krankenhaus.

Nun zum Wirken auf dem Gebiet unserer Pfarrei. Die Proben für den “Kathedralchor ohne Kathedrale“ fanden nach dem Zusammenbruch vom 2.5.1945 zumeist im Gemeindesaal der Tochtergemeinde der Kathedrale, St. Clemens in der Stresemannstraße, statt. Die Kirche war vom unerschrockenen Bischof, „dem Löwen von Münster“ Clemens Graf von Galen geleitet worden. Dieser hatte sich – erfolgreich – gegen das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten gewandt. Auf dem Gelände befand sich bis zur Schließung 1943 auch das Gesellenhaus des Kolpingvereins. Der Chor erlangte – bedingt durch Forsters Elan, verbliebene und neue Kräfte des Chores zu sammeln – in kurzer Zeit wieder seine frühere Geltung. Konzerte fanden auch im „Kammermusiksaal Kreuzberg“ in der Halleschen Straße 24 (dem früheren „Askanischen Gymnasium“) und in der St.-Johannes-Basilika statt.
Der Laienchor stieg innerhalb kurzer Zeit zum führenden Kirchenchor Deutschlands auf, er wurde von allen führenden Dirigenten und Orchestern für Konzerte angefordert und wurde international durch Chorreisen und Schallplatten-Aufnahmen bekannt.
Der Priester Dr. Karl Forster war ein heimatverbundener Mann geblieben – er verlebte seine Urlaube auf dem Bauernhof seiner Geschwister in Großklenau/Tirschenreuth. Trotz seiner vielen Titel (Päpstlicher Hausprälat, Honorarprofessor, Universitätsmusikdirektor, Donkapellmeister) blieb er bescheiden. Leider verstarb er viel zu früh und plötzlich am 13.8.1963 in Tirschenreuth.

Der Chor der St.-Hedwigs-Kathedrale und auch der Karl-Forster-Chor Berlin haben einige Male zu Gedenktagen in Tirschenreuth gesungen, um damit das Wirken des Priesters und begnadeten Chorleiters zu würdigen.

Gerhard Schmidt-Grillmeier