St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Beleuchteter Weihnachtsstern am Kirchengewölbe

Advent – Zeit der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit

28.11.2012 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
die Adventzeit lädt uns wieder ein, unser Leben als Ganzes anzusehen und nachzuspüren, worin unsere tiefsten Sehnsüchte und Hoffnungen, aber auch Ängste und Sorgen bestehen.

Da ist sicher einmal die Sehnsucht nach Geborgenheit, der Wunsch, im Leben einen Halt zu finden, gerade wenn jemand das Gefühl hat, vor einem Abgrund zu stehen. Und Abgründe tun sich oft genug im Leben auf: das Scheitern einer Beziehung, Misserfolge in Schule und Beruf, das Scheitern eines Lebensplanes, der Tod eines geliebten Menschen und vieles andere mehr.

Gerade in diesen Zeiten ist die Sehnsucht groß, sich anlehnen und weinen zu können, dem Schmerz einfach freien Lauf zu lassen. Aber gerade das wird oft genug in unserer Gesellschaft als Schwäche ausgelegt. Eine Schwäche, die man sich nicht leisten kann. Besonders die Männer haben es gelernt, Zeichen der Trauer und des Schmerzes zu unterdrücken. Nur wer seine Sehnsüchte wahrnimmt, kann bereit werden, sie erfüllen zu lassen.

Unsere Gesellschaft ist bereit, unseren mehr oder weniger großen Sehnsüchten durch vielfältige kommerzielle Angebote zu begegnen. Es wird versucht unsere Sehnsüchte in produktgemäße Kanäle zu lenken, bzw. in uns Sehnsüchte zu wecken, die besser den Angeboten der Hersteller und neuen Heilsbringern entsprechen. Dies aber hindert viele Menschen daran, ihre tiefsten Sehnsüchte wahrzunehmen und zu artikulieren. Gerade vor diesem Hintergrund ist die adventliche Haltung der Wachsamkeit ein dringendes Erfordernis, wie wir es wieder gemeinsam singen werden: Wachet auf, ruft uns die Stimme! (GL 110) Wer mit wachem Auge die eigene Sehnsucht und seine Erlösungsbedürftigkeit wahrnimmt, wird erst fähig, die erlösende Hand Gottes in seinem Leben anzunehmen.

Die Adventzeit lädt uns als Pfarrgemeinde St. Bonifatius ein, aus dem verordneten Trubel der Vorweihnachtszeit auszusteigen. Aber nicht um in die Scheinidylle adventlichen Brauchtums umzusteigen, sondern jenen ganz anderen Weg zu gehen, den uns die Texte der Frohen Botschaft an den kommenden Sonntagen vor Augen führen. Den Weg der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit den eigenen tiefen Wünschen und Hoffnungen gegenüber, den Weg der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit auch bezüglich der Wünsche und Hoffnungen anderer Menschen, die hier in Kreuzberg mit uns leben.

Anton Rotzetter hat das in paar Zeilen festgehalten:

„Darum gehen wir von Zeit zu Zeit Wege,
die nach innen führen und zum Wesentlichen.
Die Natur unterstützt uns:
Draußen wird es kälter. Schon früh wird es Nacht.
Wir schätzen unsere Stube.
Wir folgen den Lockungen nach innen.
Wir schaffen einen Raum der Besinnung.“

Ihr Diakon Klaus-Peter Schaal