St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Eine rosa und drei violette

27.11.2013 / Redaktion

Liebe Gemeinde, liebe Gäste, mit Beginn der dunklen Jahreszeit und dem Hereinbrechen der kalten, feuchten Witterung wächst in den Menschen wieder die Sehnsucht nach Geborgenheit und Wärme, nach Menschlichkeit und Heimat. Umso mehr gilt dies für die derzeit mehr als 45 Millionen Menschen, Erwachsene und Kinder, die in diesen Tagen und Wochen weltweit aufgrund von Naturkatastrophen und Kriegen ihre Heimat verloren haben und mit ungewisser Zukunft auf der Flucht sind. Angesichts all des Leides und der Not mag manchem, selbst dem, der mit einer Spende oder seiner Tat Hilfe schenkt oder Hilfsprojekte unterstützt, der Mut sinken.
Ähnlich erging es Anfang des 19. Jh. dem evangelisch-lutherischen Theologen und Erzieher Johann Hinrich Wichern (1808–1881), als er sich in Hamburg einiger Kinder annahm, die ohne Perspektive und in großer Armut auf der Straße lebten. Er zog mit ihnen in ein altes Bauernhaus, das Rauhe Haus, um ihnen ein neues Zuhause zu geben, sie zu betreuen und zu unterrichten. Da die Kinder ihn während der Adventszeit immer wieder fragten, wann denn endlich Weihnachten sei, baute Wichern 1839 aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 19 kleinen roten und 4 großen weißen Kerzen. Am 1. Advent, der damals wie heute im Jahr 2013 auf den 1. Dezember fiel, wurde die erste große Kerze entzündet. Jeden weiteren Tag kam das Licht einer kleinen Kerze hinzu und an den Adventssonntagen wurden nach und nach die großen Kerzen entzündet. So konnten die Kinder die verbleibenden Tage bis Weihnachten abzählen, während der Lichterglanz immer mehr zunahm, bis endlich der ganze Kranz im hellen Kerzenschein leuchtete.
Von 1860 an wurde der Kranz dann mit Tannenzweigen geschmückt und verbreitete sich von Hamburg aus bis in den Süden des ganzen deutschsprachigen Raumes. 

Wie in katholischen Gegenden üblich, wird auch unser Adventskranz in der St. Bonifatius-Kirche in diesem Jahr wieder drei violette und eine rosa gefärbte Kerze tragen, die am 3. Adventsonntag, dem so genannten Freudensonntag Gaudete entzündet wird und sich in der Farbsymbolik nach den liturgischen Farben richtet.

Das Licht in der Dunkelheit, dass die Finsternis zu verwandeln vermag, kann uns zur Ermutigung werden, dem Elend und der Not in der Welt immer wieder mit kleinen und großen Schritten entgegenzutreten. Denn durch die Geburt Jesu, auf die uns die Adventszeit vorbereiten will, ist das Reich Gottes nicht nur in diese Welt hereingebrochen und deswegen schon da, sondern es ist besonders dann und dort zu entdecken, wo es von Menschen angenommen und gelebt wird. Vom Innern des Menschen soll es ausstrahlen und den Frieden und die Gerechtigkeit Christi in die Welt hinaustragen.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen Ihre Gemeindereferentin Bärbel Achterberg