St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Hilfe für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge

03.11.2015 / Redaktion

Wie wir alle mitbekommen haben, sind in der letzten Zeit immer mehr Flüchtlinge in Berlin angekommen. Unter diesen Flüchtlingen befinden sich viele Jugendliche, die ohne ihre Eltern flüchten mussten.

Diese Jugendlichen (meistens Jungen) kommen hier an, ohne die Sprache zu sprechen, kennen sich mit unseren Behörden und den Formalitäten nicht aus, unsere Bräuche sind ihnen fremd und sie dürfen zunächst, bis sie offiziell registriert sind, weder arbeiten noch in die Schule gehen. Das führt dazu, dass sie oft 5-6 Monate mit mehreren hundert anderen geflüchteten Jugendlichen in einem Heim leben und nichts zu tun haben. Gute Kontakte zu knüpfen ist in einer solchen Situation oft schwierig. Ich arbeite beruflich mit jungen Menschen, die geflüchtet sind. Wir haben schon öfter gesehen, dass sich Jugendliche in einer solchen Situation die falschen Kontakte gesucht haben, weil sie so ein großes Bedürfnis haben, irgendwo dazuzugehören. Ohne eine Familie, die ihnen hilft, ist es leicht, in Drogen oder eine radikale Gruppe abzurutschen.

Andererseits haben gerade die Jugendlichen ein ganz großes Potenzial. Sie wollen in unserer Gesellschaft ankommen und sich hier eingliedern. Sie möchten lernen und einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle finden. Sie sind offen für Veränderungen und möchten unser Leben kennenlernen.

Alle Jugendlichen, mit denen ich bisher gearbeitet habe, waren sehr höflich, gut erzogen und respektvoll. Vermutlich weil die Gesellschaften, aus denen sie kommen, oft viel Wert auf Respekt legen, besonders gegenüber Älteren.

Wenn diese alleinreisenden Jugendlichen gute Erfahrungen machen und es schaffen, sich relativ gut in unsere Gesellschaft einzufinden, können sie später als Vermittler fungieren und anderen Flüchtlingen (oder ihrer Familie, die vielleicht nachkommt) die Eingliederung erleichtern.

Leider schaffen wir es im Moment nicht, sie so zu begleiten, wie es wünschenswert wäre. In dem Heim für unbegleitete Jugendliche am Mehringdamm (direkt neben dem U-Bahnhof) betreuen einige Sozialarbeiter mehrere hundert Jugendliche. Es ist ihnen gar nicht möglich, die Einzelnen zu kennen oder zu wissen, ob sie Probleme haben.

Was können wir in dieser Situation tun? Die Sozialarbeiter suchen dringend Menschen, die bereit wären, im Heim Deutsch zu unterrichten. Wer daran Interesse hat, bitte unbedingt im Pfarramt melden! Bücher für den Deutschunterricht kann man bekommen, man müsste nur für die Kopien sorgen.

Es gibt die Idee, einer „Familienbetreuung“. Gibt es Familien/Omas und Opas/alleinstehende Menschen, die bereit wären, jeweils eine Geschwistergruppe kennzulernen, nachmittags manchmal einzuladen zu Familiennachmittagen oder –feiern und ihnen bei dem Papierkram zu helfen, der jetzt für sie ansteht? Es wäre schön, wenn die Familien / Personen herausfinden könnten, was die Jugendlichen gerne machen und sie dorthin vermitteln könnten (z.B. einen Fußballverein, eine Federballgruppe, eine Schulband, etc.). Bittet diese Gruppen, ob sie evtl. einen Flüchtling umsonst mitbetreuen würden (viele tun das).

Auf diese Weise können die Jugendlichen unsere Bräuche kennenlernen, sich etwas „betreut“ fühlen, jemanden haben, zu dem sie gehen können, wenn etwas Schlimmes passiert. So könnten sie durch die Teilnahme an Vereinen, etc. erste Kontakte mit deutschen Jugendlichen knüpfen und sich weniger allein fühlen. Auch hätten sie auf diese Weise in den 5–6 Monaten, in denen sie weder zur Schule noch zur Arbeit gehen dürfen, etwas zu tun. Wer überlegt, ob er sich in dieser Weise engagieren möchte, ist herzlich zu einem Informationsabend eingeladen. Wir möchten erst einmal sehen, ob es Menschen gibt, die sich so engagieren möchten und wie viele bereit wären, dies zu tun. Der Informationsabend findet am 10.11. 2015 um 20:00 Uhr im Clubraum statt. Ausdrücklich eingeladen sind auch Menschen, die selber keine Jugendlichen betreuen möchten, sich aber vorstellen könnten, jemanden dabei zu unterstützen.

Silvia Starz

Weitergehende Informationen zum Thema: