St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Suche nach einem Zuhause – Herbergssuche!

Blick aus dem Fenster einer Herberge.

16.12.2012 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
die Bemerkung im Weihnachtsevangelium nach Lukas, dass für Maria und das Kind kein Platz in der Herberge war, hat die Volksfrömmigkeit in Liedern und Spielen aufgegriffen. Vielleicht weil die Menschen durch alle Zeiten hindurch diese bittere Erfahrung nachvollziehen konnten. Viele Flüchtlinge und Asylanten teilen diese Erfahrung, wenn sie auf der Suche nach einem Zuhause abgeschoben werden. Viele ältere Menschen wissen auch noch aus Ihrer Kindheit, was es bedeutet, die Heimat zu verlieren und alles zurück lassen zu müssen.

Das deutsche Wort „Herberge“ meint ursprünglich einen Ort, der das Heer bergen kann, an dem das Heer vor dem Feind einen Schutzraum findet und einen Raum, in dem es neue Kraft schöpfen kann.

Wo finden wir eine Herberge? Wo dürfen wir Zuhause sein?

Eine zutiefst spirituelle Frage, wie ich meine. Wie viele Menschen sind heute in ihrem Innern Heimatlos? In unsere Gesellschaft scheint die Hauptsorge, die Sorge nach einer finanziellen Absicherung zu sein. Wir beurteilen vieles nach dem finanziellen Wert. Glück wird in Verbindung mit Konsum gesehen, gerade zum Weihnachtsfest. Und doch bemerken wir eine andere Seite unseres Menschseins, die der zwischenmenschlichen Beziehung. Da, wo andere wichtig werden, wo wir mit Familie und Freunden zusammen sind. Und doch meint Herberge mehr!

Herberge ist die Verheißung, dass wir in unseren inneren Kämpfen immer wieder Heimat finden, in der wir uns geborgen wissen. Wir brauchen einen Ort, an dem wir uns verwurzeln können, damit wir uns entfalten können. Zugleich zeigt uns die Herbergssuche, dass wir wie Maria und Josef auf dem Weg sind, dass wir Pilger sind, die keine bleibende Stätte haben. Die Herberge, die uns hier auf Erden Geborgenheit schenkt, ist immer nur eine Herberge auf Abruf. Sie verweist uns auf die ewige Herberge, die uns Gott schenkt, wenn unser irdisches Leben zu Ende geht.

Liebe Gemeinde, verbunden mit dem Segenswunsch zum Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen und Ihren Familien diese Herberge, die uns unser Glaube bietet. Unser Glaube kann tatsächlich ein Ort der Verwurzelung in einer sich rasant verändernden Zeit sein. Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass uns die Dinge aus den Händen gleiten und wir nichts sicher haben, bleibt doch Gott sicher bei uns. Diese Erfahrung und diese Hoffnung verbindet die Christen weltweit. So wird Kirche dann auch zu einer Herberge, einem Ort der Verwurzelung. Für uns vor Ort ist die Gemeinde so ein Ort. Auch wenn nicht immer alles glatt läuft, und wir nicht mit allem zufrieden sind, kann sie doch Heimat sein.

An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich allen in unserer Gemeinde danken, die sich dafür einsetzen, dass unsere Gemeinde eine Herberge ist. Durch ihr engagiertes Ehrenamt, Ihr Mittun in den verschiedenen Kreisen und Gruppen und zu allererst durch Ihr Gebet, bauen Sie mit an der Herberge. Daher möchte ich Sie alle herzlich zu unserem Neujahresempfang am Samstag, den 12. Januar nach der Vorabendmesse in den Pfarrsaal einladen. Verstehen sie diese Einladung als kleines Dankeschön. Egal ob Sie sich in den Gremien unserer Gemeinde, in Kreisen und Gruppen engagieren, oder ob Sie regelmäßig unsere Gottesdienste besuchen und für unsere Gemeinde und Kirche beten – all diese Dinge sind gleich wichtig und verdienen Anerkennung. Danke für Ihre Treue zur Gemeinde und Kirche! Ich bin voller Zuversicht, dass unsere Kirche auch in Zukunft eine Herberge für Suchende sein kann. Stehen wir zusammen und vertrauen auf Gott.

So wünsche ich Ihnen gesegnete Feiertage und Gottes Segen für das neue Jahr 2013!

Ihr Pfarrer O. Cornelius