St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Haupt- und Ehrenamt im Pastoralen Raum: Die Kirchenmusiker

Klavierspielende Hände / doppelmonokel / CC BY 2.0

02.12.2018 / Redaktion

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich haupt- oder ehrenamtlich in unserem zusammenwachsenden Pastoralen Raum betätigen. Im Herbst 2018 haben wir einige der haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmusiker/innen kennengelernt, die unsere Kirchen zum Klingen bringen. Wir danken Elisabeth Beniczki-Nicolin aus St. Michael (Berlin-Mitte / Domgemeinde St. Hedwig), Stefano Barberino aus St. Bonifatius, Kathrin Wetzel aus St. Michael (Berlin-Kreuzberg / St. Marien Liebfrauen) und Rudolph Kossek aus St. Marien Liebfrauen für die Gespräche.

Frau Beniczki-Nicolin, wie sind Sie Kirchenmusikerin geworden?
Beniczki-Nicolin: Ich bin in der Kirche und im Weingarten in Ungarn groß geworden, denn mein Vater war Kirchenmusiker, meine Großeltern waren Weinbauern. Ich habe von klein auf sehr viel Kirchenmusik gehört, das prägt. Mein Vater hat mir Orgelunterricht gegeben. Schon mit 12 Jahren habe ich in den Dorfkirchen im Gottesdienst gespielt. Ich habe in meiner Jugend die C-Kirchenmusiker-Ausbildung absolviert, nach dem Abitur im Konservatorium in Miskolc Orgel und Chorleitung studiert – Kirchenmusik gab es im Kommunismus nicht als Fach. Ab 1988 studierte ich an der Universität für Musik in Wien Orgel Konzertfach. Innerhalb der breitgefächerten Kirchenmusik ist die Orgel mein Herzensanliegen.
Elisabeth Beniczki-NicolinElisabeth Beniczki-Nicolin
Was ist das Schöne am Kirchenmusiker-Dasein?
Beniczki-Nicolin: Meiner Meinung nach kommen der Kirchenmusik zwei wichtige, schöne Aufgaben zu: Erstens dient sie zur Ehre Gottes, und zweitens zur „Erbauung der Seelen“. Kirchenmusiker wird man nur, wenn man innerlich dazu berufen ist. Ich fühle mich dazu berufen, soweit ich zurückdenken kann. Der Schöpfer hat mir die musikalische Begabung mitgegeben und deshalb war für mich immer klar, dass ich ihm damit dienen möchte. Aus Vernunftgründen habe ich noch eine Kosmetiker-Ausbildung – zum Zwecke des Broterwerbs – absolviert, aber diesen Beruf konnte ich nie ausüben, es ging einfach nicht. Ich bin durch und durch Musikerin. Und ich lebe in dem Glauben und Vertrauen, dass Gott uns alles gibt, was wir zum Leben brauchen.
Was ist das Schwere am Kirchenmusiker-Dasein?
Beniczki-Nicolin: Wie schon angedeutet, ist es nicht leicht, davon zu leben, besonders in Berlin, finde ich. Hinzu kommt, dass viele Gemeinden immer kleiner und auch älter werden, das Festhalten an den Traditionen eine große Rolle spielt. Dadurch ist es nicht ganz einfach, musikalisch mal was Neues auszuprobieren, einzuführen.
Welche Erwartungen haben Sie an unseren Pastoralen Raum?
Beniczki-Nicolin: Ich hoffe, dass am Ende des Pastoralen Prozesses St. Michael (Mitte) weiter als Gemeindeort besteht, wir neue Messbesucher bekommen, die Gemeinde wächst und jünger wird. Vielleicht gelingt mit unserem aktuellen Weihnachtschor-Projekt, einige neue Leute in das Mitgestalten einzubinden.
Wie blicken Sie in die Zukunft?
Beniczki-Nicolin: Ich sehe bezüglich der Musik in allen Bereichen sowie der bildenden Künste allgemein eine problematische Entwicklung: Alle wollen sie gern in Anspruch nehmen, aber für möglichst wenig Geld.
Herr Baberino, warum sind Sie Kirchenmusiker geworden?
Barberino: Schon als Kind war ich von der Musik in der Kirche fasziniert, besonders von der Orgel, immer in Verbindung mit der katholischen Liturgie. Daher habe ich mit zehn Jahren angefangen, Orgel zu lernen. Später habe ich zunächst in Italien Orgel und Cembalo studiert, dann an der UdK Berlin Orgel auf Konzertexamen und Kirchenmusik. Da es in Italien weder das Fach „Kirchenmusik“ noch den Beruf des Kirchenmusikers gibt, war für mich der Umzug nach Deutschland ein logischer Schritt. In Italien gibt es Musik in der Kirche nur ehrenamtlich oder auf Honorarbasis.
Stefano BarberinoStefano Barberino
Was sind die Highlights in Ihrem Kirchenmusiker-Alltag?
Barberino: Natürlich die liturgischen Feste, besonders Ostern und Weihnachten. Dadurch gehe ich, wie die Priester auch, mit dem Kirchenjahr innerlich mit und stimme mich mit der Musik auf die Feste ein. Das Schöne an meinem Beruf ist auch, dass es ein sozialer Beruf ist. Das gemeinsame Musizieren (Chor, Orchester, Blaskapelle, verschiedene Musikgruppen) gehört genauso dazu wie das „Netzwerken“ mit den ehrenamtlichen Musikern der Gemeinde, das Konzipieren der Stücke und das Organisieren der Halbjahres-/Jahreskonzerte mit allen Musikgruppen der Gemeinde. Mein Anspruch ist dabei, Musik mit Niveau zu machen, schöne Musik!
Welche Erwartungen haben Sie an den Pastoralen Raum Berlin Mitte?
Barberino: Ich würde mich freuen über die Entstehung neuer Kooperationen zusammen mit den Musikgruppen der anderen Gemeinden, über eine größere Vernetzung. Ich kann mir z. B. einen Projektchor des Raumes vorstellen oder eine Instrumentalgruppe des Raumes, wodurch mehr Leute involviert werden könnten.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Barberino: … dass es mir immer besser gelingt, „Kunstmusik“, also schöne und gute Musik, in der Liturgie zu vermitteln und so eine Transzendenzerfahrung für die Leute zu ermöglichen. Ich möchte sie dafür sensibilisieren, dass über die Musik eine spirituelle Bereicherung möglich ist. Ich wünsche mir, dass unsere Musikgruppen immer mehr wachsen, dass in Verbindung mit dem Glauben die Begeisterung für die Musik in der Kirche wächst.
Frau Wetzel, seit wann sind Sie Kirchenmusikerin?
Wetzel: Mit 16 Jahren war ich die jüngste C-Kirchenmusikerin im Bistum Magdeburg. Als ich nach Berlin kam, hatte ich zunächst keine feste Gemeinde. Auf St. Michael (Kreuzberg) bin ich über die Jugendkirche gestoßen – und geblieben. Denn damals, vor inzwischen 14 Jahren wurde hier ein neuer Kirchenmusiker gesucht. Seit 2004 bin ich also ehrenamtliche Kirchenmusikerin von St. Michael.
Kathrin WetzelKathrin Wetzel
Was ist für Sie das Schöne an der Kirchenmusik?
Wetzel: Die Hochfeste! Sie sind das Schönste, aber auch das Anstrengendste. In den Wochen vor Weihnachten beispielsweise muss man es schaffen, eine Gruppe aufzubauen. Ohne die Unterstützung weiterer ehrenamtlicher Musiker/innen unserer Gemeinde könnte ich das nicht stemmen. Am Anfang kommen zunächst nur wenige zu den Proben, aber am Ende klappt es meist und beim Fest selber dann strahlen alle Augen, das ist wunderschön. Besonders schön finde ich, dass ich in St. Michael immer den Kontakt zur Gemeinde habe – anders als in St. Marien Liebfrauen, wo man auf der Empore als Organistin weit weg ist. Ich bin ein Teil des Gottesdienstes. Ich gehe mit zur Kommunion, dann ist es auch mal ganz still in der Kirche. Es ist ein Geben und Nehmen, auch der Pfarrer reiht sich in St. Michael mit ein in den Kreis. Da in St. Michael Perfektion keine große Rolle spielt, fühle ich mich in der musikalischen Gestaltung frei. Wenn ich das Hallelujah singe, kann auch mal die Orgel fehlen. Manchmal spiele ich Gitarre oder Keyboard oder ich verteile Orff-Instrumente. Ich bringe mich sehr gern mit der Musik in die Gemeinde ein – zur Ehre Gottes. Ich lebe darüber meinen Glauben.
Was ist für Sie das Schwierige am Kirchenmusiker-Dasein?
Wetzel: … dass es ehrenamtlich ist. Ich muss schauen, wo meine Grenzen sind und lernen, auch mal „Nein“ zu sagen. Aber es wird geschätzt von der Gemeinde. Einmal habe ich als Dankeschön ein Jahr Gesangsunterricht geschenkt bekommen, das hat meine Stimme sehr gebessert.
Haben Sie Wünsche für die Zukunft?
Wetzel: Die Musik würde noch mehr Freude machen, wenn die Kirche voller wäre. Dazu müsste sich meiner Meinung nach die Kirche den Menschen gegenüber mehr öffnen. Die (Macht-)Strukturen sind zu fest… die Leute gehen letztlich da hin, wo sie sich wohl fühlen, man kann niemanden zwingen, in die Kirche zu kommen.
Herr Kossek, wie sind Sie Kirchenmusiker geworden?
Kossek: Meine Liebe zur Orgelmusik begann schon sehr früh. Besonders das Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“ hatte es mir als Kind angetan. Ich bekam ein Puppenklavier und spielte darauf gleich dieses Lied nach. Inzwischen bin ich seit 51 Jahren als Kirchenmusiker im Dienst des Erzbistums, seit 1967. Trotzdem war mein Weg sehr verschlungen. Eigentlich wollte ich immer Orgelbauer werden, aber da es dafür in Berlin damals keine Ausbildung gab, begann ich mit Klavierbau. Aber das war es nicht, was ich wollte. Also bin ich zunächst Kaufmann geworden. Dann habe ich Jura studiert und war bis 1983 in der Justiz als Beamter tätig. Mein Herz schlug aber immer für die Musik. Deshalb gab ich den sicheren Job auf und war von da an ausschließlich als Organist tätig. Damit habe ich mir letztlich meinen Kindheitstraum erfüllt. Das war nicht programmiert, das war Fügung.
Herr  KossekHerr Kossek
Was ist für Sie das Schöne an dem Beruf?
Kossek: Das Schöne ist zugleich das Schwierige: Man darf diesen Beruf nicht wegen des Geldes machen. Es ist eine Berufung. Ich gehe diesem Beruf auch jetzt, als Rentner, ehrenamtlich nach, weil ich mich als Musiker fühle. So wie die Priester auch im Ruhestand Priester bleiben, so ist es auch bei uns Musikern. Wir bleiben Musiker! Ich lebe darin, ich mache es einfach gern. Besonders schön war für mich die Zeit, als ich Konzerte gegeben habe, auch außerhalb von Berlin, z. B. im Freiburger Dom, am Bodensee oder sogar in der St. Paul’s Cathedral in London.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Kossek: … dass ich noch so lange wie möglich hier in Marien Liebfrauen weiter orgeln kann.

Interviews und Fotos: Marlen Bunzel