St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Studienreise nach Frankreich - ein Reisebericht

Kirche von Auvers-sur-Oise | © Gerhard Schmidt-Grillmeier

21.05.2013 / Redaktion

Hervorgegangen aus den früheren Gemeindereisen von St. Bonifatius – auch früher schon geleitet von Frau Ruth Krebs – hat sich die letzten Jahre eine ziemlich konstante ökumenische, ja internationale Gruppe gebildet, die, organsiert von „Biblische Reisen“, Studienfahrten unternahm. Schwerpunktland war Frankreich.

25 gut gelaunte Menschen, je zur Hälfte aus den beiden früher getrennten Teilen Deutschlands, eine treue Schweizer Teilnehmerin und einige genauso treue Reisende aus Nordrhein-Westfalen, gemischt katholisch, lutherisch, reformiert und ohne Kirchenbindung, trafen sich, um die Normandie und Paris kulturell, geschichtlich und kulinarisch zu erkunden.

Frau Krebs hatte viele Vorarbeiten geleistet und wieder ein hervorragendes Heft erarbeitet – eine wertvolle Stütze für den Reiseverlauf. Herr Marc Pusch aus Hamburg war – wieder – unser unermüdlicher und begeisternder Reiseleiter.

Es gab viel zu entdecken. Erst einmal der historische Norden Frankreichs. Der bis heute populärste englische König Richard Löwenherz, ein Normanne (†1199 - sein Herz ist in der Kathedrale von Rouen beigesetzt) und Wilhelm I. der Eroberer, ebenfalls ein Normanne († 1087 - Grabstelle in Caen – von seinen Taten rühmt der Teppich von Bayeux – wir hatten ausführlich die Möglichkeit ihn zu bewundern) und natürlich die Hl. Johanna von Orleans (Jeanne d’Arc), geboren in Lothringen (damals zum Hl. Römischen Reich gehörend), aus politischen Gründen in Rouen 1431 verbrannt. Sie wurde erst nach dem 1. Weltkrieg heilig gesprochen (ob hier die Politik auch eine Rolle spielte?) und ihr Standbild ist in so gut wie jeder französischen Kirche zu finden. Sie ist auch eine Heilige der Anglikanischen Kirche.

Romanische und gotische Kathedralen, Kirchen und Klöster vermitteln, welche in Stein manifestierte Glaubensleistung im Mittelalter geherrscht hat. Gleichzeitig war die Errichtung der Bauten natürlich auch eine von der Obrigkeit geschaffene Möglichkeit für bezahlte Arbeit. Nur um einige zu nennen: Kathedrale und moderne Marktkirche in Rouen, das Kloster Jumiège, die Abteikirche in Saint-Martin-de-Boscherville, eine der größten Holzkirchen der Welt in Honfleur, die [Abtei der Herren in Caen](Abtei der Herren in Caen), die Kathedrale in Bayeux und natürlich diverse Kirchen in Paris und St. Denis.

Wir hielten fast jeden Tag eine kleine Andacht in einer der Kirchen – sangesfreudig wie wir sind und angeleitet von Frau Marianne Vogler. Die sehr feierliche Sonntagsmesse – zugleich Kinderkirche - feierten wir in der Holzkirche von Honfleur.

Dann beeindruckte uns die Landschaft an der Seine und die Steilküste von Etretat – der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der Tidenhub, weist dort eine Höhe von bis zu 9 Metern auf.

Der zweite Höhepunkt der Studienreise waren die Impressionisten. Herr Pusch verstand es, uns nicht nur die Arbeit und das Leben der Maler nahe zu bringen, sondern auch den damaligen Zeitgeist. Einige Namen: Manet, Degas, Monet, Renoir, Pissarro, Cézanne und van Gogh. Bereichert wurde das mit Beispielen aus Musik und Literatur. Wir hatten die Chance ihre Werke in den bedeutensten Museen (Musée Fournaise, Museum der Schönen Künste in Rouen, Musée Malraux in Le Havre, das Museum in Honfleur, das Wohnhaus von Claude Monet in Giverny, in Paris das Musée Marmottan, das Musée d’Orsay und das Musée de l’Orangerie und dann noch den letzten Aufenthaltsort van Goghs in Auvers-sur-Oise) zu besuchen. Wir schwelgten sozusagen in Bildern und Farben!

Was wäre Reisen ohne kulinarische Entdeckungen. Wir schwelgten auch hier und Frankreich ist nicht ohne Grund auf diesem Gebiet so berühmt. Alleine die Auslagen in den Geschäften und Märkten sind eine Augenweide (wenn man den Blick von den Preisen abwendet!). Marc Pusch überraschte uns wieder mit einem Picknick – diesmal einem normannischen -, stimmungsvoll unter der Burgruine von Richard Löwenherz, dem Château Gaillard. Es regnete, doch der Appetit auf Cidre und Poiré, Camembert und die diversen Fleischpasteten litt nicht darunter und auch nicht die gute Stimmung. In Rouen hatten wir das seltene Erlebnis bei der Zubereitung einer Pressente zusehen zu können. Eine große Spezialität in dieser Stadt und des Hotels, in dem wir wohnten. Die Spezialität ist allerdings so speziell, dass sie auch entsprechend kostet. Höhepunkt war am letzten Abend der Besuch des Fin-de-siècle-Restaurants „Le Train Bleu“ im Gare de Lyon – atmosphärisch unbeschreiblich und lukullisch exquisit!

Dann kam der Abschied von all den Eindrücken (war es nicht ein Farbenrausch?) am Palais de Chaillot mit Blick auf den Eiffelturm und die Stadt – stimmungsvoll bei einem Glas Champagner. Wir alle hatten den Wunsch auf eine weitere Reise nächstes Jahr und hoffen, dass die von einer Reisefreundin zur „Mutter der Nation“ geadelte Frau Krebs gemeinsam mit Herrn Pusch diese Reise ermöglichen wird.

Gerhard Schmidt-Grillmeier