St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Pfarreigründung Bernhard Lichtenberg Berlin-Mitte

Seit dem 01. Januar 2021 ist die Pfarrei St. Bonifatius einer von vier Gemeinde-Standorten der Pfarrei Bernhard Lichtenberg.

Daher wird die Webseite des Gemeinde-Standortes St. Bonfatius, ausser den Gottesdienstzeiten, nicht weiter mit aktuellen Inhalten gepflegt.

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La Corse – mon amour

©Gerhard Schmidt-Grillmeier

31.10.2014 / Redaktion

Klingt etwas übertrieben, oder? Naja, nicht unbedingt. Denn einige Reiseteilnehmer, die eigentlich nicht sehr enthusiastisch die Reise nach Korsika angetreten haben, waren am Schluss sehr begeistert von der Vielfältigkeit (in jeder Hinsicht) der Insel. Sie heißt nicht ohne Grund „Ile de Beauté“ – Insel der Schönheit.
Frau Ruth Krebs – sie hat mit der Organisation dieser Reisen schon zu ihrer Zeit als Gemeindereferentin in St. Bonifatius begonnen (es sind wohl an die 20 geworden – und sie hat ihren Fanclub in uns!) – hat nun auch diese (ihre wahrscheinlich letzte) Tour, gemeinsam mit „Biblische Reisen“ und Herrn Marc Pusch aus Hamburg, organisiert. Durch eine exzellente Einführung im Pfarrsaal waren wir gut vorbereitet und hatten da schon – Dank sei Herrn Hubert Vogler – Bekanntschaft mit korsischem Wein gemacht. Mit von der Partie waren wieder die Teilnehmer/ in­nen, die sich schon von früheren Reisen kannten – eine ökumenische und von den Herkunftsorten recht gemischte Gruppe (sechs davon Gemeindeglieder von St. Bonifatius).
Nach dem Flug (bzw. Flügen) nach Marseille unternahmen wir eine Bootsfahrt auf der aufgewühlten See um die Calanches (fjordähnliche Einschnitte) um Cassis zu sehen. Manche wurden nass von den hohen Wellen und benötigten anschließend einen Cassis um wieder zu sich zu finden (kleine Übertreibungen seien gestattet!). Es ging dann gleich wieder auf ein Schiff – eine große Fähre von Toulon nach Bastia auf Korsika. Die folgenden zehn Tage waren dann ein herrlicher Strauß von den unterschiedlichsten Erlebnissen – stille Strände, wilde Schluchten, duftende mediterrane Vegetation, halb wild lebende Schweine und sogar Kühe (unverhofft in der Landschaft oder auf der Straße auftauchend), sehr guten Espresso und leckere Weine und aus Kastanien gebrautes Bier (wirklich herb wohlschmeckend), genauso wie korsische Gerichte von Fisch und Fleisch und Gemüse. Und das Wetter spielte mit, wir hatten fast immer Sonne satt, bis auf einen Besuch bei der Muttergottes vom Schnee („Notre Dame des Neiges“ auf der nördlichen Halbinsel ca. 1200 m hoch gelegen und leider den Nebel bewachend, der die Gipfel rundum unsichtbar machte). Dafür entschädigte uns ein korsisches Picknick am Rande eines Stausees. Käse von Ziege, Schaf und Rind und die unvermeidlichen zarten Schinken der frei lebenden Schweine und Wein – rot, weiß und rosé – jeder gut schmeckend.
Ich will jetzt nicht alle Orte aufzählen, die wir besucht haben – doch die frühere Hauptstadt des Ende des 18. Jhs. unabhängigen Korsika unter Pasquale Paoli - Corte ist herrlich wildromantisch gelegen und dort findet sich sogar ein Inselheiliger, der Hl. Theophil – von dem ich nie gehört hatte. imageDann sind zu erwähnen die romanischen Kirchen San Michele Murato (eine Teilnehmerin einer Archäologentagung fand unseren Gesang vor der Kirche wie ein überirdisches Geschenk – naja, Frau Marianne Vogler hat uns ja jeden Tag dazu getrimmt!), Aregno und La Canonica. Zwei Brücken sind bedeutsam, die Spin A’Cavallu (Pferderücken) und die Ponte Novu (hier hatten 1769 sogar preußische Söldnertruppen auf Seiten Paolis gegen die Franzosen gekämpft).
Napoleone Buonaparte (der spätere General Napoléon Bonaparte und dann Kaiser Napoleon I.) darf natürlich nicht unerwähnt bleiben – sein Name und der seiner Familienangehörigen begegneten uns ja ständig. Ich war erstaunt, in welch wenig gepflegtem Zustand die diversen Gebäude waren, in denen die Familie zeitweise lebte (ausgenommen das Geburtshaus in Ajaccio – korsisch Aiacciu (ein Museum) – und der Palast seines Onkels des Kardinals Fesch – dort findet sich auch die Grablege der Napoleoniden.
Wie schon erwähnt, sangen wir jeden Tag in oder vor einer der Kirchen. Bewegend für uns alle war eine Gedenkstunde in Bastia. Vor einem Schrein mit einer silbernen Madonna zündete jeder von uns eine Kerze an und gedachte Angehörigen, die eine Fürbitte benötigen. Dann wurden die schwerkranken ehemaligen Teilnehmer der Reisegruppe namentlich erwähnt und für jeden eine Kerze angezündet, in der Hoffnung, dass sie ihr Leid besser ertragen können. Wir bedauerten sehr, dass sie nicht mit uns sein konnten. image Erwähnen muss ich noch die idyllisch gelegenen Orte Calvi (wahrscheinlich der Geburtsort von Christoph Kolumbus), Filitosa (mit den prähistorischen Zeugen der Bronzezeit und Megalithkultur), die diversen Türme aus der genuesischen und pisaner Zeit, das antike Aléria, Bonifacio (ein wirklich herrlicher Ort mit Blick auf Sardinien und einer – diesmal ruhigen – Bootsfahrt zu Grotten und Buchten der Steilküste, auf der die Stadt liegt), Sarténe (mit seiner eigenartigen Karfreitagsprozession – ein vollständig verhüllter Mann, in der Regel jemand, der eine Tat zu büßen hat und dessen Namen nur der Ortspfarrer kennt, schleppt eine schweres Kreuz durch die Straßen und hat noch eine Kette von ca. 15 kg Gewicht am Fuß – die Warteschlange für die nächsten Büßer ist mehrere Jahre lang!) und schließlich noch Cervione – hier residierte einige Monate lang ein König von Korsika aus Deutschland, der vom Niederrhein stammende Freiherr Theodorf von Neuhoff – König Theodor I. Er starb leider später im Schuldturm in London.
Dieses Schicksal wird uns hoffentlich erspart bleiben, obwohl die Reise nicht eben billig war. Und wir haben ein neues Wort gelernt: Taffoni-Formation. Ich verrate aber nicht, um was es sich handelt – wir durften sie fast jeden Tag bewundern, die Formation.
Nach einer erneuten Überfahrt mit der Fähre auf das Festlandfrankreich genossen wir dann noch einen langen Tag in Marseille und besuchten das anlässlich der Zeit als Kulturstadt Europas im letzten Jahr eröffneten „Mucem“ – eine herrliche Ansammlung von moderner Architektur in die die jahrhundertealten Gebäude am Hafen integriert wurden. Und nicht zu vergessen ist der Besuch des Wahrzeichens von Marseille – „Notre Dame de la Garde“ – der unter Napoleon III. erbauten hoch über der Stadt gelegenen Basilika – eine Pracht von goldenen Mosaiken im byzantinisch-romanischem Stil mit Ausblick auf das Chateau d’If – wer hat nicht „Der Graf von Monte Christo“ gelesen.

Erfüllt von herrlichen Eindrücken, dankbar für wunderbare Stunden und Genüsse freuen wir uns alle auf ein Wiedersehen im Pfarrsaal von St. Bonifatius zur Nachbereitung der Reise.

Gerhard Schmidt-Grillmeier