St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Unsere Pilgerfahrt zum Grab des Heiligen Bonifatius in Fulda

25.11.2016 / Redaktion

Vom 26.9.2016 bis zum 30.9.2016 fand unsere diesjährige Gemeindepilgerfahrt statt. Das Ziel war Fulda mit dem Grab unseres Pfarrpatrons, dem Heiligen Bonifatius. Mit 25 Teilnehmern waren wir eine gut überschaubare Gruppe. Am Montag, 26.9.2016 trafen wir uns um 8:00 Uhr zum Einladen unserer Gepäckstücke in den Reisebus. Danach gingen wir in die Kirche zum Gebet um den Reisesegen. Um 8:30 Uhr fuhren wir los. Es ging über bekannte Autobahnstrecken und manche Erinnerungen an die Zeit, wo ein großer Teil dieser Strecke „Transitautobahn“ hieß, kamen bei dem einen und anderen auf. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir Fulda und bezogen unser Quartier im Hotel „Peterchens Mondscheinfahrt“. Die Zeit am späten Nachmittag nutzten die einen, um sich von der Fahrt auszuruhen und die anderen für eine Erkundung der Umgebung, bei der sie auch im Haus von C&A manches nützliche für die kommende kalte Jahreszeit entdeckten. Nach dem Abendessen diente noch ein schönes Weinrestaurant für einen gemütlichen Tagesausklang.
Am Dienstag, 27.10.2016 war um 6:30 Uhr das Frühstück eingeplant. Denn um 8:00 Uhr feierten wir mit unserem Pfarrer am Grab des Heiligen Bonifatius im Dom eine Heilige Messe. Wie den daheim geblieben versprochen, beteten wir in den Anliegen der Gemeinde und der uns bekannten Personen, die durch ihre Lebensumstände eine Beziehung zum Heiligen Bonifatius haben. Nach der Heiligen Messe stellte sich unsere Reiseführerin vor und outete sich als Pfarrgemeinderatsmitglied ihrer Gemeinde. Für den Tag der Stadtbesichtigung kam noch eine zweite Reiseführerin dazu, da für die Besichtigung des Domes und der Stadt eine Aufteilung in zwei Gruppen für alle Beteiligten effizienter war. Zunächst besichtigten wir den Dom. Am Eingang befindet sich neben den Gräbern weiterer Bischöfe das Grab von Bischof Johannes Dyba, nach dem auch eine Straße benannt ist. Erläutert wurde uns auch die Geschichte der Abtei und des Bistums Fulda.
Ein Gefährte des Heiligen Bonifatius war der Heilige Sturmius, nach dem ebenfalls eine Straße in Fulda benannt wurde. Der Abt von Fulda war über einige Jahrhunderte auch Fürst des umliegenden Gebietes. Um die weltlichen Regierungsgeschäfte vom geistlichen Ordensleben sauber zu trennen, wurde eine eigene Residenz errichtet, die nach der Säkularisierung den vom Land Hessen eingesetzten Vögten ebenfalls als Amtssitz diente. Heute ist ein großer Teil des Schlosses Museum. In den Räumen, die nicht zum Museum gehören, hat die Stadtverwaltung ihren Sitz. Besichtigt wurde auch der Daliengarten, der zu einem Seniorenwohnheim gehört.
Unter den vielen Einrichtungen in Fulda befindet sich auch das Priesterseminar, in dem in der Zeit nach der Gründung unseres Bistums bis zur Eröffnung des Erfurter Priesterseminars im Jahr 1952 alle Priester unseres Bistums ihre Ausbildung erhielten. Unter anderen haben auch Kardinal Bengsch, unser emeritierter Weihbischof Weider und der zu unserem Bistum gehörende zeitweilige Spiritual des Erfurter Priesterseminars, Pfarrer Hans-Joachim Rupprecht ,dort studiert.
Gegen 12:30 Uhr konnte die Besichtigung der Historischen Stätten in Fulda abgeschlossen werden. Da die Temperaturen noch einmal sommerliche Werte erreichten, nutzten viele die Möglichkeit zur Erkundung eines Eiscafés.
Am Mittwoch, den 28.9.2016 bestiegen wir wieder unseren Reisebus. Wir fuhren durch die schöne Landschaft. Während der Fahrt erläuterte uns die Reiseleiterin, warum rund um Fulda die Namen vieler Orte mit der Silbe „zell“ enden. Die Abtei hatte viele Mitglieder, die zur Arbeit mehrere Kilometer entfernt waren. Der Weg zum Stundengebet in der Abteikirche war zu weit. So wurden gemäß der benediktinischen Regel Zellen errichtetet, denen im Auftrag des Abtes ein Prior vorstand, in denen das Leben nach dem Tagesablauf stattfinden konnte.
Gegen 10:00 Uhr erreichten wir die Wasserkuppe. Auf der Wasserkuppe wurde der Segelflug entwickelt. Heute befindet sich dort das Deutsche Segelflugmuseum, in dem Segelflugzeuge aller Entwicklungsphasen ausgestellt wurden. Eine sehr interessante Führung erschloss den interessierten unserer Gruppe die geschichtlichen Hintergründe und die technischen Entwicklungsphasen des Segelfluges.
Während des kalten Krieges befand sich auf der Wasserkuppe eine Funkaufklärungsstation der alliierten Streitkräfte zur Aufklärung aller Funkaktivitäten der Armeen des Ostblocks. Gegen 13:00 Uhr setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten gegen 14:00 Uhr das Kloster Kreuzberg. Wie es für eine Pilgergruppe ein Bedürfnis ist, hielten wir in der Wallfahrtskirche eine Andacht mit Liedern und Texten zur Verehrung des Heiligen Kreuzes. Anschließend bestand die Gelegenheit zu einem Mittagessen und zum Probieren des Klosterbieres in der Klosterschenke. Gegen 17:00 Uhr fuhren wir wieder zum Hotel in Fulda.
Nach dem Abendessen nahmen unser Kirchenmusiker und ich die Gelegenheit zum Kennenlernen der Fuldaer Domorgel bei einem Konzert zum hundertsten Todesjahr von Max Reger wahr. Am Donnerstag, den 29.9.2016 fuhren wir mit dem Bus zunächst zur St.-Bonifatius-Kirche in Fulda. In der dortigen Gemeinde ist unsere Reiseleiterin Mitglied in Pfarrgemeinderat. Wir hielten dort eine Andacht mit Liedern und Texten aus dem Fuldaer Diözesananhang zu Ehren des Heiligen Bonifatius. Danach setzten wir unsere Fahrt mit dem Ziel Vogelsberger Höhen fort. Wir machten Station in Alsfeld und Lauterbach.
Während der Fahrt erfuhren wir auch geschichtliche Sachverhalte dieser Gegend: Einer der eingesetzten Vögte erklärte sich in der Zeit der Reformation vom Kloster Fulda unabhängig und schloss sich dem Protestantismus an, dem nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens die Bevölkerung der betreffenden Region folgen musste. Im Fuldaer Gebiet achtete jeder Familienvater darauf, daß keines seiner Kinder in das Gebiet der Vogelsberger Höhen zum Tanz oder zur Ausbildung ging. Aber auch im Gebiet um die Vogelsberger Höhen war kein Familienoberhaupt am Kontakt seiner Kinder in das Fuldaer Gebiet interessiert. Erst mit der Entwicklung der Ökumene wurde diese strikte Trennung aufgehoben. Auf den Vogelsberger Höhen gab es die Gelegenheit zum Besuch einer Naturschutz- ausstellung und zur Einkehr in einem Restaurant.
Nach dem Abendessen ließen wir in einem Weinrestaurant die Erlebnisse ausklingen.
Am Freitag, 30.9.2016 fuhr unser Bus pünktlich um 9:00 Uhr Richtung Berlin ab. Eine Teilnehmerin hatte dafür gesorgt, dass wir auf die gelungene Fahrt mit einem Fuldaer „Willi“ anstoßen konnten. So erreichten wir gegen 15:30 Uhr den Halteplatz vor dem Kreuzberger Himmel. Es war eine Pilgerfahrt der Begegnung mit unserem Pfarrpatron und eines Gebietes, in dem er zu Lebzeiten wirkte und von dem aus wichtige Impulse der Entwicklung des Glaubenslebens in Deutschland ausgingen.
Ganz am Ende der Fahrt wurden die ersten Visionen für eine Gemeindepilgerfahrt 2017 entwickelt: Toskana und Assisi? Hört sich doch interessant an. Oder?

Michael Hübner