St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Großgemeinde St. Bonifatius und ihre Kirchen

24.10.2016 / Redaktion

2004 wurden drei ehemalige selbständige Kirchengemeinden durch ein Dekret des Erzbischofs zusammengelegt. Die neue große Pfarrgemeinde St. Bonifatius bestand nun aus der bisherigen St.-Bonifatius-Gemeinde zuzüglich der Kirchengemeinde St. Agnes und der St.-Johannes-Basilika.

St. Bonifatius

Die Pfarrkirche St. Bonifatius wurde in recht kurzer Zeit von 1906 bis 1907 errichtet. Max Hasak war der Architekt.
Wegen des massenweisen Zuzugs nach Berlin – auch von vielen Katholiken – wurde ein Kirchenbau in dem Gebiet des jetzigen „Viktoriaviertels“ (damals Tempelhofer Vorstadt) dringend benötigt. Es war damals recht schwierig – auch wegen gewisser Vorurteile gegen Katholiken – ein Baugrundstück zu erhalten.

Ein eigens gegründeter Kirchensammelverein sollte die Mittel aufbringen. 130.000 zumeist wenig Begüterte haben zum Bau der imposanten Kirche im neugotischen Stil beigetragen. Von 1888 bis zur Kirchweihe 1907 musste in behelfsmäßigen Quartieren, z.B. auch im Lagerraum einer Metallwarenfabrik Hl. Messe feiert werden. Wie oft bei katholischen Kirchen und Synagogen war auf höhere Anordnung die Fassade in die Straßenfront eingegliedert, also nicht frei stehend und war demnach nicht sofort als Sakralbau zu erkennen. Die Türme waren dafür umso imposanter. Um die Kirche zieht sich eine Wohnanlage, die geschaffen wurde, um einen Teil der Unterhaltskosten der Kirche durch Mieteinnahmen zu sichern. Es entstand der „Kreuzberger Vatikan“.

Nach den Kriegszerstörungen ist der Innenraum neu gestaltet worden. Hervorzuheben ist das moderne Altarbild von Prof. Fred Thieler, welches 1969 entstand. Die Orgel der Kirche, die ebenfalls nach dem Krieg entstand hat fast 3200 Pfeifen. Sonntags feiert um 13 Uhr auch die Kroatische Katholische Mission Hl. Messe in St. Bonifatius.

St.-Johannes-Basilika

1894 wurde diese sehr imposante Kirche – sie durfte freistehend gebaut werden – von Baurat August Menken im neuromanischen Stil errichtet. Sie liegt auf dem Gebiet des Bezirks Neuköllns neben der 2001 errichteten Apostolischen Nuntiatur (Botschaft des Vatikanstaats).
1906 verlieh ihr Papst Pius X. den Titel einer Basilica minor. Sie war als Garnisonskirche gebaut worden und hatte im 2. Weltkrieg einige Schäden zu verzeichnen, die jedoch bald behoben werden konnten. Sie diente eine Zeit lang als Bistumskirche, da die St.-Hedwigs-Kathedrale schwer beschädigt war.

Seit 2004 ist sie die Kirche der Katholischen Polnischen Gemeinde und seit 2005 ist die Kirche auch Bischofskirche des katholischen Militärbischofs der Bundeswehr am Sitz der Bundesregierung. Hausherr der Gemeinderäume Maria-Ursula-Haus ist jedoch der Pfarrer der St.-Bonifatius-Gemeinde.
Zwischen der polnischen Gemeinde und der deutschen Gemeinde St. Bonifatius besteht ein recht gutes Einvernehmen mit jährlichen gemeinsamen Aktivitäten.

St.-Agnes-Kirche

Die St.-Agnes-Kirche wurde auf dem nahezu restlos durch Bombardierungen des 2. Weltkriegs zerstörten Gebiet des historischen Stadtquartiers der Südlichen Friedrichstadt 1965 – 1967 durch Professor Werner Düttmann, z. T. aus den Ziegeln der Trümmerlandschaft, errichtet. Nach der Bildung der Großgemeinde wird die Kirche von freireligiösen Gemeinden benutzt. Im Winter unterhielt die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius eine Notunterkunft für Obdachlose in den früheren Gemeinderäumen.

Im April 2012 wurde das Gebäude an den Galeristen Johann König als neuen Eigentümer übergeben.

Gerhard Schmidt-Grillmeier